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Wenn das Herz eng wird - Panikattacke

Trigger Warnung: Panikattacke


Es ist ein schöner spätsommerlicher Abend im September, ich bin 28 Jahre jung, Mama von zwei kleinen Kindern, kerngesund und auf dem Weg ins Krankenhaus. Meine selbst gestellte Diagnose: Herzinfarkt.


Vor circa zwei Jahren ist genau diese Situation eingetreten. Ich war im Stall und hatte gerade mein, zu dem Zeitpunkt krankes, Pony versorgt und ging zurück zu meinem Auto. Plötzlich überrollte es mich. Ich bekam keine Luft mehr, meine Brustkorb schnürte sich zusammen und wurde immer enger und mein Herz raste. Ich war mir sicher, dass ich im nächsten Moment das Bewusstsein verlieren würde und an einem Herzinfarkt sterben müsste. Mit 28 Jahren.


Schon kurze Zeit später wurde mir die Entwarnung geben, mein Herz ist gesund. Ärztliche Diagnose: Panikattacke. Ich konnte es nicht glauben. Wie konnte dieser Arzt mir vorwerfen, ich wäre psychisch labil (meine damalige Übersetzung einer Panikattacke) nur weil ich eine Frau und Mama von zwei Kindern war?

In den folgenden Tagen suchte ich noch mehrere andere Ärzte auf, unter anderem meinen Lungenfacharzt, da ich noch immer nur beschwerlich Luft bekam.

Jeder von Ihnen kam zu der selben Feststellung. Immer wieder wurde mir die Frage gestellt: "Haben Sie vielleicht viel Stress?". Jedes Mal verneinte ich, ich habe zwar zwei kleine Kinder, ein krankes Pony, meine eigene große Hochzeit die vor der Tür stand und vor allem einen im Sterben liegenden, mir heiß geliebten Opa, aber nein, Stress habe ich nicht...


Ich meinte das Ernst!


Es hat noch zwei weitere Monate gedauert, bis ich die Diagnose annehmen konnte. Viele weitere Monate um es zu verstehen. Und es ist ein fortwährender Prozess damit umzugehen. Die Panikattacke im September war der Höhepunkt, daraufhin folgten immer wieder weitere Wellen der Panik. Mal mehr, mal weniger schlimm.


Mittlerweile weiß ich, dass mein Trigger die nicht zugelassene Trauer um meinen Opa war. Aus Angst davor nicht mehr funktionieren zu können wenn ich die Trauer einmal zuließ, baute ich in meinem Brustkorb einen Panzer, der sich mit jeder schlechten Nachricht fester und fester zusammen zog. Ich hielt förmlich die Luft an um nicht zusammen zu brechen.

Mit dem Tod meines Opas erlaubte ich mich endlich die erlösenden Tränen fließen zu lassen. Aber es dauerte sehr lange und brauchte viel Hingabe um den entstandenen Panzer wieder zu lösen.

Erst im Zuge meiner Ausbildung zum InnerBalance Coach begann ich zu verstehen, was in mir vorging. Ich begann mit Zeit zu nehmen für meine innere Stimme, meine Seele.


Genau ein Jahr später, im September, durchlief ich die Panikattacken erneut. Noch einmal durchlief ich die 3 Monate in denen mein Opa starb körperlich. An seinem Todestag war es wieder vorbei. Wie ein Trauma holte mein Körper alle Emotionen aus dieser Zeit noch einmal hervor und ließ sie mich nochmal durchleben. Aber diesmal war ich gewappneter. Ich ließ mir Raum zum Trauern, nahm mir Zeit für mich. Es war ein viel bewussterer Prozess und ich hatte nicht das Gefühl die Kontrolle zu verlieren, so wie es beim ersten Mal der Fall war.



Viele Frauen, gerade auch Mütter, kennen den beängstigenden Zustand von Panikattacken.


Die blanke Angst in diesem Moment und der komplette Verlust von Kontrolle ist ein furchtbares Gefühl. Fortwährend begleitet einen die Angst davor, dass doch etwas "Schlimmes" hinter dem Ganzen stecken könnte. Es folgt ein monatelanger Marathon zu Ärzten und Fachleuten die doch bitte einfach nur ein Heilmittel finden sollen damit man wieder funktioniert und die Kontrolle über sich und seinen Körper zurück bekommt.

Unser erster Impuls ist im Außen zu suchen. Im Außen Antworten zu bekommen. Im Außen die Lösung zu finden für unsere Panik, die doch tief in uns drinnen ist. In unserem Inneren.


Mit der Geburt unserer Kinder, werde wir in eine Gefühlswelt geboren, die nicht purer sein könnte. Wir erleben eine Liebe die unvergleichlich ist, eine Erschöpfung die wir uns vorher nicht vorstellen konnten, Ängste die nicht tiefer sein könnten. Und statt uns diesen neuen Emotionen zu widmen, sie kennenzulernen, zu erkennen was sie für uns bedeuten, was sie mit uns machen und wie sie uns verändern, machen wir mit unserem alten Leben weiter und erwarten von uns, dass wir funktionieren. Ohne uns eine Zeit für Bewusstsein zu geben.


Eine Panikattacke ist nicht selten die Antwort auf dieses fahrlässige Verhalten uns selbst gegenüber. Es ist die unfreundliche Erinnerung unserer Seele, dass wir uns selber übersehen, uns nicht die Zeit nehmen, in unserem Selbst anzukommen.


Wie ich damit umgehe?


Panikattacken sind nichts, was man man einem Allheilmittel einfach loswerden kann. Oft sind sie ein treuer Begleiter auf einem langen Lebensabschnitt. Und genau so sehe ich sie mittlerweile, als einen Begleiter, sogar einen Ratgeber auf meinem Lebensweg. Ich habe aufgehört gegen diese Gefühle anzukämpfen und angefangen sie anzunehmen. Immer wenn ich merke, dass sich die Vorboten der Panik zeigen (bei mir zum Beispiel ein enger Kehlkopf der mich schwerer atmen lässt), werde ich aufmerksam und nehme mir Zeit um zu beobachten und versuche meiner Seele Ausdruck zu verleihen. Ich verlangsame bewusst meinen Alltag, führe alltägliche Handlungen ganz bewusst und langsam aus, und schaffe mir Räume für mich alleine. In denen ich Denken und Sein kann, ohne Ablenkung und ohne Einfluss. Es ist ein Prozess.


Warum ich diesen Artikel schreibe?


Ich schreibe den Artikel, weil ich Mut machen möchte. Ich möchte dich ermutigen dir Raum und Zeit für dich zu schenken. Dir ab und zu eine Rückzugsmöglichkeit zu geben um einen kleinen Check-In in deine Seele zu machen und genau hinzuhören. Gehe bewusst mit dir und deinen Ressourcen um, lass dich ankommen in deinem Leben. Die Welt und wir sind in einem so schnellen Wandel, dass unsere Seele oft gar nicht hinterher kommt. Sei achtsam und übernimm die Verantwortung für deine eigene Geschwindigkeit. Für dein eigenes Tempo. Selbstbestimmt und Schritt für Schritt.


Ich schreibe diesen Beitrag, weil meine eigenen Erfahrungen die Grundlage für meine Kurse und Workshop sind, die ich gebe. In meinen Kursen möchte ich einen Raum schaffen in dem Frauen sich selbst begegnen können. In denen sie sich Zeit nehmen um in sich zu gehen, die eigenen Wünsche und Sehnsüchte zu ergründen, genau hin zu schauen, genau hinzuhören.


Oft denken wir, dass wir mit unseren Gefühlen und Emotionen alleine sind, dass es keine andere Frau gibt, die so fühlt wie wir. Aber das ist nicht wahr. Wir haben alle einen Lebensweg, eine Vergangenheit und einen Blick in die Zukunft. Der Austausch und die Offenheit mit anderen Frauen ist magisch und zeigt wie verbunden wir alle miteinander sind, auch wenn wir uns anfangs nicht kennen. Du bist nicht alleine!


Möchtest du dir mehr Raum für dich in dein Leben holen? Möchtest du deine innere Balance finden, im Einklang mit deiner Familie und deinen Rollenbildern?


Ich freue mich, wenn wir uns in einem meiner Kurse wiedersehen


Von Herzen sonnige Grüße

deine Natalie

 

Wichtig: Dieser Beitrag beschreibt meine eigenen Gedanken, Erfahrungen und Techniken mit diesem Thema umzugehen. Wenn du in der selben Situation bist, wende dich an professionelle Hilfe und suche dir Unterstützung bei deinem Prozess. Anlaufstellen kannst du zum Beispiel unter dem Link: Soforthilfe - psychenet.de finden.





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